Gartenteich für Libellen anlegen – Komplette Anleitung
Vor über 20 Jahren habe ich in meinem Garten einen Teich angelegt. Heute ist er ein kleines Paradies – nicht nur für Libellen, sondern auch für Frösche, Molche und unzählige andere Lebewesen. In dieser Anleitung zeige ich Ihnen, wie Sie Libellen in Ihren eigenen Garten locken können.
Mein eigener Gartenteich – eine Erfolgsgeschichte
Als ich 2004 den Spaten in die Hand nahm, war ich skeptisch. Würden wirklich Libellen kommen? Der nächste größere Teich war mehrere Kilometer entfernt. Doch schon im ersten Sommer erschienen die ersten Besucher: Blaugrüne Mosaikjungfern, Große Pechlibellen, Hufeisen-Azurjungfern.
Heute, nach 20 Jahren, habe ich über 15 verschiedene Libellenarten an meinem Teich dokumentiert. Drei davon pflanzen sich regelmäßig fort – ich beobachte jedes Jahr den Schlupf der neuen Generation. Es gibt kaum etwas Schöneres.
Planung: Standort, Größe, Tiefe
Der richtige Standort
Libellen brauchen Sonne. Wählen Sie einen Platz, der mindestens 6 Stunden täglich direkte Sonneneinstrahlung bekommt. Ein vollsonniger Standort ist ideal – die Tiere sind wechselwarm und benötigen die Wärme für ihre Aktivität.
Vermeiden Sie:
- Standorte direkt unter Bäumen (Laub verschmutzt den Teich)
- Stark windige Ecken (Libellen meiden Wind)
- Tiefpunkte im Garten, wo sich Regenwasser sammelt
Die richtige Größe
Je größer, desto besser – aber auch ein kleiner Teich kann Libellen anlocken. Meine Empfehlungen:
| Teichgröße | Wasseroberfläche | Zu erwartende Arten |
|---|---|---|
| Mini-Teich | 1-3 m² | 3-5 Arten (meist Besucher) |
| Kleiner Teich | 4-10 m² | 5-10 Arten, erste Fortpflanzung |
| Mittlerer Teich | 10-25 m² | 10-15 Arten, regelmäßige Fortpflanzung |
| Großer Teich | über 25 m² | 15+ Arten möglich |
Mein Teich hat etwa 12 Quadratmeter Wasserfläche – ein guter Kompromiss für einen normalen Garten.
Die richtige Tiefe
Ein Libellenteich braucht verschiedene Tiefenzonen:
- Flachwasserzone (0-20 cm): Hier jagen die Larven, hier schlüpfen die Libellen
- Mitteltiefe Zone (20-60 cm): Übergang mit Unterwasserpflanzen
- Tiefwasserzone (60-100 cm): Frostfreier Bereich für überwinternde Larven
Die Flachwasserzone ist am wichtigsten. Planen Sie mindestens ein Drittel der Teichfläche als flachen Bereich ein.
Aufbau Schritt für Schritt
1. Ausheben
Heben Sie die Grube stufenweise aus. Beginnen Sie mit dem Umriss, dann graben Sie sich von außen nach innen immer tiefer. Die Stufen sollten etwa 20-30 cm breit sein – hier stehen später die Pflanzkörbe.
2. Folie oder Fertigteich?
Ich empfehle eine EPDM-Kautschukfolie. Sie ist flexibler als PVC, langlebiger und passt sich jeder Form an. Fertigteiche sind einfacher zu installieren, aber oft zu steilwandig für Libellen.
Unter die Folie gehört ein Schutzvlies gegen spitze Steine. Über die Folie kommt eine dünne Schicht gewaschener Kies oder Sand.
3. Bepflanzung (Zonierung)
Die richtige Bepflanzung ist entscheidend. Libellen brauchen:
- Vertikale Strukturen zum Schlüpfen und Ruhen
- Unterwasserpflanzen für die Larven
- Schwimmblattpflanzen als Schutz
Die besten Pflanzen für Libellen
Flachwasserzone (0-20 cm)
- Schwertlilie (Iris pseudacorus): Gelbe Blüten, wichtige Schlupfpflanze
- Rohrkolben (Typha): Klassiker, aber Vorsicht – wuchert stark
- Froschlöffel (Alisma): Zierlich, gute Eiablagepflanze
- Blutweiderich (Lythrum): Wunderschöne lila Blüten, Bienenweide
Mitteltiefe Zone (20-60 cm)
- Tannenwedel (Hippuris): Bildet dichte Bestände, ideales Larvenhabitat
- Hornkraut (Ceratophyllum): Schwimmt frei, gute Sauerstoffpflanze
- Wasserpest (Elodea): Wächst schnell, gut für neue Teiche
Tiefwasserzone (60-100 cm)
- Seerosen (Nymphaea): Klassiker, bieten Schatten und Landeplätze
- Seekanne (Nymphoides): Kleinere Alternative zur Seerose
Uferzone
- Seggen (Carex): Verschiedene Arten, wichtige Schlupfpflanzen
- Binsen (Juncus): Filigran, gute Ansitzwarten
- Mädesüß (Filipendula): Duftende Blüten, zieht viele Insekten an
Welche Arten kommen von selbst?
Sie werden überrascht sein, wie schnell die ersten Libellen erscheinen – oft schon im ersten Jahr. Typische Erstbesiedler sind:
- Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea): Die häufigste Großlibelle an Gartenteichen
- Große Pechlibelle (Ischnura elegans): Klein, aber sehr anpassungsfähig
- Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella): Leuchtend blaue Männchen
- Plattbauch (Libellula depressa): Auffällig, mit breitem Hinterleib
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Fische einsetzen
Fische fressen Libellenlarven. Wenn Sie Libellen fördern möchten, verzichten Sie auf Fische. Auch Goldfische, die "harmlos" wirken, dezimieren die Larvenpopulation drastisch.
Fehler 2: Zu steile Ufer
Libellen brauchen flache Uferbereiche zum Schlüpfen. Fertigteiche mit steilen Wänden sind ungeeignet. Schaffen Sie sanfte Übergänge.
Fehler 3: Zu viel Pflege
Ein "aufgeräumter" Teich ist ein schlechter Libellenteich. Lassen Sie abgestorbene Pflanzenreste im Herbst teilweise stehen – sie bieten Überwinterungsplätze.
Fehler 4: Chemische Mittel
Verwenden Sie niemals Algenmittel oder andere Chemikalien. Algen sind Teil des Ökosystems und verschwinden von selbst, wenn sich das Gleichgewicht eingependelt hat.
Mein Teich nach 20 Jahren
Heute ist mein Teich ein eingespieltes Ökosystem. Die Pflanzen haben sich ausgebreitet, die Ufer sind verwachsen. Jeden Sommer beobachte ich den Schlupf der Blaugrünen Mosaikjungfern – oft direkt vom Gartenstuhl aus.
Das Schönste: Mein Enkel Jonas hat hier seine erste Libelle gesehen. Er war vielleicht fünf Jahre alt. Die Faszination in seinen Augen – unbezahlbar. Vielleicht wird er eines Tages selbst einen Teich anlegen.
Fazit
Ein Gartenteich für Libellen anzulegen ist eines der lohnendsten Projekte für jeden Naturfreund. Es braucht etwas Planung und Geduld, aber die Belohnung ist immens: ein lebendiges Stück Natur direkt vor der Haustür.
Packen Sie es an. Die Libellen werden kommen.