Libellen in Videospielen – Von Zelda bis Animal Crossing
Ich gebe es zu: Dieser Artikel wäre ohne meinen Enkel Jonas nie entstanden. Als er mir vor einigen Jahren erzählte, dass man in seinem Lieblingsspiel Libellen fangen kann, war ich erst skeptisch. Videospiele und Naturbeobachtung – wie soll das zusammenpassen?
Doch dann setzte ich mich zu ihm, schaute zu, und war überrascht. Die Libellen in diesen Spielen sehen nicht nur erstaunlich realistisch aus – manche Spiele bilden sogar die saisonale Verfügbarkeit korrekt ab. Eine unerwartete Entdeckung für einen 68-Jährigen.
Die Zelda-Reihe
Die Zelda-Spiele von Nintendo gehören zu den bekanntesten Videospielen überhaupt. Und Libellen spielen darin eine überraschend wichtige Rolle.
Breath of the Wild & Tears of the Kingdom
In diesen neueren Zelda-Spielen kann der Spieler verschiedene Insekten fangen, darunter mehrere Libellenarten. Jonas hat mir gezeigt, wie man sich anschleicht, das Netz schwingt – es erinnert mich an meine eigenen Anfänge am Teich, nur eben digital.
Die Libellen im Spiel können zu Tränken verarbeitet werden, die dem Spieler besondere Fähigkeiten verleihen. Die "Warme Safali" etwa gibt Kälteschutz, die "Kalte Safali" schützt vor Hitze. Eine fantasievolle Interpretation, aber nicht ganz aus der Luft gegriffen – auch in der traditionellen Medizin verschiedener Kulturen wurden Libellen verwendet.
Was mich besonders beeindruckt hat: Die Libellen im Spiel fliegen realistisch. Sie schwirren, stoppen abrupt, ändern die Richtung – genau wie ihre echten Vorbilder.
Libellen als sammelbare Items
In älteren Zelda-Spielen tauchen Libellen ebenfalls auf, oft als sammelbare Gegenstände oder dekorative Elemente. Die Entwickler scheinen eine Vorliebe für diese Insekten zu haben – vielleicht liegt es an der starken Libellen-Symbolik in der japanischen Kultur.
Animal Crossing
Dieses Spiel hat mich am meisten überrascht. In Animal Crossing lebt der Spieler in einem Dorf und kann unter anderem Insekten sammeln – für ein virtuelles Museum.
Libellen im Museum sammeln
Das Spiel enthält verschiedene Libellenarten, die der Spieler fangen und dem Museumskurator übergeben kann. Dort werden sie dann in einem liebevoll gestalteten Insektenbereich ausgestellt.
Die vorkommenden Arten umfassen unter anderem:
- Banded Dragonfly (entspricht etwa unserer Gebänderten Prachtlibelle)
- Darner Dragonfly (eine Edellibelle)
- Giant Petaltail (Riesenlibelle, die es in Europa nicht gibt)
- Red Dragonfly (Heidelibelle)
- Damselfly (Kleinlibelle/Schlanklibelle)
Saisonale Verfügbarkeit – erstaunlich realistisch
Was mich wirklich verblüfft hat: Die Libellen in Animal Crossing erscheinen nur zu bestimmten Jahreszeiten und Tageszeiten. Die "Red Dragonfly" (Heidelibelle) etwa ist im Spiel von September bis Oktober verfügbar – genau wie in der Natur.
Die Entwickler haben hier tatsächlich recherchiert. Für ein "Kinderspiel" eine bemerkenswerte Detailtreue.
Weitere Spiele mit Libellen
Pokémon: Yanma und Yanmega
In der Pokémon-Reihe gibt es zwei Libellen-Monster: Yanma, eine kleine rote Libelle, und seine Weiterentwicklung Yanmega, ein großes, bedrohlich wirkendes Insekt.
Yanmega basiert offensichtlich auf den Riesenlibellen der Urzeit – der Körperbau, die großen Augen, die langen Flügel erinnern an Rekonstruktionen von Meganeura, der größten bekannten Libelle der Erdgeschichte.
Jonas hat mir erklärt, dass Yanmega im Spiel sehr schnell ist und scharfe Augen hat – Eigenschaften, die direkt von echten Libellen übernommen wurden.
Skyrim: Die Blaue Libelle
In diesem Fantasy-Rollenspiel gibt es "Blue Dartwing", blaue Libellen, die der Spieler sammeln kann. Sie werden für die Herstellung von Tränken verwendet.
Interessanterweise entspricht ihre Verwendung im Spiel (Zutaten für Heiltränke) historischen Praktiken – in der mittelalterlichen Volksmedizin wurden Libellen tatsächlich für medizinische Zwecke eingesetzt, auch wenn das natürlich aus heutiger Sicht Unsinn ist.
Hollow Knight: Der Libellen-Boss
Dieses Spiel ist etwas Besonderes: Es spielt komplett in einer Welt der Insekten. Der Spieler steuert einen kleinen Käferritter durch ein unterirdisches Reich.
Es gibt einen Bosskampf gegen "The Traitor Lord", ein insektenartiges Wesen mit libellenähnlichen Zügen. Jonas sagt, dieser Kampf sei schwierig – aber ich konnte die Bewegungen nicht genau genug verfolgen, um das zu beurteilen. Meine alten Augen sind nicht für solche Spiele gemacht.
Lerneffekt: Erkennt mein Enkel jetzt mehr Arten?
Die interessante Frage ist: Helfen Videospiele dabei, echte Natur zu verstehen?
Bei Jonas würde ich sagen: Ja, zumindest teilweise. Durch Animal Crossing wusste er, dass Libellen saisonal auftreten, bevor ich es ihm erklärte. Er wusste, dass es verschiedene Arten gibt, die unterschiedlich aussehen.
Natürlich ersetzt kein Spiel die echte Erfahrung. Als wir das letzte Mal zusammen am Teich waren, konnte ich ihm zeigen, was kein Bildschirm vermitteln kann: das Geräusch der Flügel, das Glitzern im Sonnenlicht, den Geruch des Wassers.
Aber als Einstieg, als Türöffner? Da haben Videospiele ihren Wert.
Gemeinsam spielen – gemeinsam lernen
Seitdem ich mich auf Jonas' Hobby eingelassen habe, hat sich etwas verändert. Wir haben ein gemeinsames Gesprächsthema gefunden, das über "Wie war die Schule?" hinausgeht.
Er erklärt mir die Spielmechaniken, ich erkläre ihm die echten Tiere. Wenn wir in Animal Crossing eine Libelle fangen, erzähle ich ihm etwas über die reale Art. Wenn wir am Teich eine Heidelibelle sehen, sagt er: "Die gibt's auch in meinem Spiel!"
Es ist keine Einbahnstraße. Ich lerne von ihm, er lernt von mir. Und das ist vielleicht das Schönste an dieser ganzen Geschichte.
Fazit
Als jemand, der sein Leben lang echte Libellen beobachtet hat, war ich anfangs skeptisch gegenüber virtuellen Libellen. Doch ich habe gelernt: Die digitale Welt und die Natur sind keine Gegensätze.
Videospiele können Interesse wecken, Wissen vermitteln, und – wie in meinem Fall – Generationen verbinden. Wenn ein Kind durch Animal Crossing anfängt, sich für Insekten zu interessieren, ist das ein Gewinn.
Also, liebe Großeltern: Setzt euch mal neben eure Enkel, wenn sie spielen. Ihr könntet überrascht werden.
Und liebe Gamer: Geht auch mal raus an den Teich. Die echten Libellen sind noch faszinierender als die im Spiel.